Teil 4
In der Mitte des steinigen Flussbetts rauscht ein noch immer reißender Fluss den Berg hinunter. Ich setze mich einen Moment und genieße den Anblick ( Photos ). Dann klettere ich die Felsen herunter, bis ich direkt an einem der Fälle stehe ( Photos ). Gierig tauche ich meine Hände ins kraftvolle Wasser und wasche Gesicht und Hände nach der anstrengenden Fahrt. Nach einer kleinen Pause und einem Snack geht es weiter zum Parkplatz. Den Roller stelle ich an den Rand und verstaue alles im Helmfach. Am anderen Ende des Platzes lehnt sich eine Reihe kleiner Stände und Läden an die Bergseite und ein Duft von gebratenem Fleisch schlägt mir entgegen. Ich muss schmunzeln. Der Kommerz hat mich wieder. Interessiert schlender ich and den Ständen entlang und betrachte die so typisch thailändischen Waren. Neben den Standardgetränken und Süßwaren gibt es gebratene Hähnchenteile, Würstchen, gegrillten Mais, frittiertes Gemüse. Westliche Küche, eben alles, was den Touristen so schmeckt. Bei Dingen wie frittierten Fischköpfen, ganzen Tintenfischen und Hühnerbeinen inklusive Krallen frage ich mich allerdings, welcher Marketingguru das als Verkaufsschlager für Amerikaner, Australier und Europäer prophezeit hat.
Ich verzichte auf einen weitere Mahlzeit und folge dem Pfad bergauf hinter den Ständen entlang. Die Luft hier oben ist so kühl und voll wie in Nordeutschlands Wäldern. Den Flusslauf entlang führt der Weg in einen Talkessel. Die Natur ist unglaublich und ich fühle mich wie im Urwald. Die Bäume sind alt und moosbewachsen und stehen mehr als 30 Meter in den Himmel. Lianen und Efeu hängen von knorrigen Büschen und Sträuchern herunter und Schmetterlinge in allen Farben flattern um die faustgroßen Blüten der riesigen Pflanzen. Vor mir liegt eine kleine Bambusbrücke, die zu einem unbeholfen gepflasterten Rastplatz führt. Es knarrt, als ich sie betrete und ich bewege mich langsam und umsichtig. Mitten in einem Schritt erstarre ich und ein Schauer läuft mir den Rücken herunter. Wer mich kennt, weiß, dass ich kein Schisser bin, aber bei Insekten ab einer gewissen Größe werde ich schüchtern.
Die Spinne ( Photo ), die ihr Netz quer über den Weg gespannt, ist so groß wie meine Hand und glänzt orangerot (inzwischen weiß ich, dass es ein Weibchen des goldenen Seidenspinners, oder Nephila pilipes, war).
Vorsichtig ducke ich mich unter dem Netz der Spinne hindurch und achte darauf, keine Faden zu berühren. Ich schwitze etwas, als ich die Brücke verlasse hoffe im Stillen, dass irgendjemand Netz und Bewohner entfernt, während ich am Wasserfall bin.
Schon im nächsten Moment jedoch ist die Spinne vergessen, denn der Anblick der sich mir bietet, verlangt nach voller Aufmerksamkeit. Zwischen den Bäumen blicke ich auf eine breite Schneise im Dickicht. In weißer Gischt schießt der Fluss in Stufen gut fünfzehn Meter die Felsen herab und verjüngt sich unten zu einem seichten Bach. Hier und dort, wo das Wasser nicht hinkommt, wachsen Sträucher zwischen den Steinen und durchsetzen das blau-graue Bild mit einem saftigen Grün. Ich stehe sicherlich fünf Minuten einfach nur da, fasziniert von dem Anblick.
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