Teil 3
Große Dinge erscheinen auch aus der Ferne groß und so bin ich nach einer weiteren Stunde noch immer nicht in den Bergen. Ich hab mir allerdings auch vorgenommen, die Mae Ya Wasserfälle anzugucken, die fast auf der Route liegen und zu den schönsten Thailands gehören Sollen. Also verlasse ich die Hauptstraße und biege auf einen kleinen Teerweg, der laut Schildern zu den Fällen führt. Die Landschaft ist so beeindruckend und schön, dass ich kurz Pause machen muss, um Kathrin anzurufen. Sie klingt erleichtert am Telefon und wir erzählen kurz. Zum Abschluss warnt sie mich erneut, nicht zu schnell zu fahren und sagt, sie mache sich Sorgen. Die Art wie sie es sagt, macht mich nachdenklich und ich beschließe, ab jetzt eher gemächlich zu fahren.
Es ist 11 Uhr morgens, als ich am Eingang des Nationalparks erscheine und ich bin der einzige Interessent. Misstrauisch frage ich den nudelkauenden Mann an der Kasse, ob die Fälle im Moment überhaupt Wasser führen, bevor ich bezahle. "Always water" sagt er grinsend und entblößt eine Reihe schiefer, gelber Zähne, zwischen denen noch seine halbe Mahlzeit hängt. "Wehe, wenn nicht Freundchen" denke ich zweifelnd und steige wieder auf den Scooter.
Hoch und runter führt die Straße in Serpentinen den Berg entlang. Schon nach wenigen Minuten höre ich es rauschen und bekomme ein schlechtes Gewissen, weil ich so misstrauisch war. Thais sind das ehrlichste Volk, das mir begegnet ist und haben mein Vertrauen mehr als verdient.
Als ich um eine Kurve biege, bremse ich erschrocken, denn direkt vor mir auf der Straße wandert eine kleine Herde Wasserbüffel ( Photo ) mitten auf dem Asphalt entlang. Verdutzt schaue ich mich nach einem Treiber oder Aufpasser um, doch außer mir ist kein Mensch da. Ich fange an zu lächeln, als mir bewusst wird, was ich hier sehe und beschließe,heranzufahren, um das Kalb zu streicheln. Beim Anblick von Mamas Hörnern verwerfe ich diese Idee jedoch ganz schnell wieder und schleiche in gebührendem Abstand drum herum. Die Tiere interessieren sich nicht im geringsten für mich oder meine Rollerhupe und wandern gemütlich weiter mitten auf der Straße. Es dauert zehn Minuten, bis ich es wage zu passieren und muss grinsen angesichts so viel sturer Gemächlichkeit. Das Rauschen wird lauter und meine Vorfreude ist groß, als ich um die nächste Kurve biege. Endlich bin ich da.
Der erste Wasserfall liegt unterhalb des Parkplatzes und ich stelle den Roller an den Straßenrand. Vorsichtig kletter ich die Böschung hinunter und stehe dann am Rande des Flussbettes. Die Seiten des Laufs sind trocken und die glatten Felsen, in Jahrhunderten geschliffen vom Tauwasser des Inthanon, ragen mir einladend entgegen. Ja sie schreien geradezu nach einer Kletterpartie und natürlich sage ich nicht nein.
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