Mittwoch, 30. März 2011

my accident - the day part 2


Teil 2

Gut hundert Kilometer sind wirklich lang mit einem Roller, aber das Ziel ist es wert und wo bleibt der Spaß, frage ich mich. " I'll be careful" sage ich leichthin und lächele besänftigend.
Es mag ja sein das es lang und gefährlich ist, denke ich bei mir, doch ich werde aufpassen und was soll passieren? Außerdem liegt zwischen Auto und Zweirad ein himmelweiter Unterschied.
Wer einmal mit dem Roller durch die Berge gefahren, kennt das Gefühl Alles "echter" zu erleben. Durch nichts von der Natur getrennt sein, durch die man sich bewegt. Alles riechen, hören und schmecken ohne Stahl, Fenster und stickige Klimaanlagenluft um einen herum. Man verpasst nichts und wenn um die nächste Kurve ein einmaliger Ausblick wartet, bremst man einfach und hält kurz inne. Natürlich ist auch der Fahrtwind herrlich bei der Sonne und man kann sich dreist zwischen den Autos im Stadtverkehr hindurch quetschen; genau das Richtige für einen Bruder Leichtfuß wie mich.
Also nehme ich auch die Warnung meiner Front Office Managerin wieder nicht ernst und mache mich auf den Weg zum Rollerverleih. Als Dauergast begrüßt man mich wärmstens und das ausfüllen der Formulare dauert nur zwei Minuten. "Mein" Roller ist nicht da, doch da der Weg weit ist, nehme ich einfach ein schnelleres Model. Als ich erzähle, wo es hingeht, erinnert die kleine Thai mich, dass es kalt wird im Gebirge und rät mir, eine Jacke mitzunehmen. Es bleibt das erste und einzige Mal, dass ich an diesem Tag auf fremde Ratschläge höre und es ist mein großes Glück, wie ich später begreifen werde.
Mit dem Roller fahre ich zurück zum Hotel und wühle meine Jacke aus dem Koffer sowie einen Pulli. Bevor es Richtung Inthanongebirge geht, tanke ich noch und prüfe Reifen und Bremsen. Endlich geht es los und ich folge dem Motorway Richtung Süd-Westen.
Mit zunehmender Entfernung zu den Touristengebieten und dem Stadtkern verändert sich das Bild abseits der Straße. Aus mehrstöckigen Betonbauten werden erst einfache Häuser, dann Lehmhütten und Holzverschläge. Aus großen Kreuzungen und den klobigen Hochhausfassaden werden Palmenheine und Reisfelder, doch die Straße ist nie einsam. Rechts und links reihen sich Wohnhäuser, Lagerhallen und kleine Läden aneinander. Staubige Sandwege verlassen hier und da die Hauptstraße in die weitläufige Weidelandschaft und im immer Hintergrund die Berge. Es ist ein wenig bizarr, wie sehr sich das Leben der Menschen hier von dem der Innenstadtbewohner unterscheidet. Mit dem Auto sind es nur 30 Minuten, doch ist es eine andere Welt.
Als ich nach einer Stunde Fahrt an einer Tankstelle halte, guckt man mich überrascht an. Das ewig lächelnde, kommerzielle Interesse der Städter ist wie weggeblasen und die Menschen sind freundlich, aber distanziert und zurückhaltend. Als ich vor die Tankstelle verlasse, sehe ich in der Ferne zum ersten Mal einen riesigen Berg und weiß, ich habe mein Ziel vor Augen. Zügig setze ich mir wieder Helm und Sonnenbrille auf und fahre weiter. Die Straße ist gut ausgebaut und ich hole alles aus meiner Yamaha, was der kleine Motor hergibt. Der Wind klatscht mir die Fliegen gegen Sonnenbrille und Schal und ich bin schon jetzt froh, die Jacke zu haben. Innerlich beglückwünsche ich mich zu meiner Ignoranz: "Gut, dass du auf dich gehört hast, Christoph."

1 Kommentar:

  1. Huhu Christoph,
    schöne Grüße aus Kiel. Wir wohnen jetzt zu 4. zusammen. Nis, Henry, Daniel und ich :D. Ich hoffe dir gehts gut in Thailand, hab ja schon gesehen, dass du wohl eine Wegbegleiterin gefunden hast. :-) Freu mich auf ein baldiges Wiedersehen. Bis dahin sollst du aber erstmal die Zeit im Ausland genießen.

    Liebe Grüße,

    Torben

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